Auszeichnung für Bachelorarbeiten: Spannende Erkenntnisse für Polizei und Verwaltung

NRW-Innenminister Herbert Reul mit Preisträgern

Blutspurenanalyse, Sicherheit im Fußballstadion oder die Bedrohung durch Reichsbürger – Die Bachelorarbeiten der Absolventen der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW könnten unterschiedlicher nicht sein. Jetzt wurden die 15 besten prämiert.

 

Wie sähe die Verkehrssituation in unseren Städten aus, wenn innerorts alle nur noch Tempo 30 fahren dürften? „Deutlich weniger Schwerverletzte, deutlich weniger Tote und nur minimal längere Reisezeiten“, sagt Polizeikommissar Christian Niebrügge. In seiner Bachelorarbeit hat sich der Absolvent der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – mit Erfolg. Von insgesamt rund 2200 Arbeiten wurde seine als eine der 15 besten prämiert. „Es ist für den öffentlichen Dienst und auch für die Polizei eine Riesenauszeichnung, auch sich selber ein Stück beweisen zu können, dass wir hochqualifizierte Leute haben, die bei uns ausgebildet werden“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul.

Keine Angst vor außergewöhnlichen Themen

Vor rund 140 Gästen sind die 15 Preisträgerinnen und Preisträger in den Räumen des NRW-Innenministeriums geehrt worden. Jedes Jahr sucht ein Prüfgremium aus Lehrenden der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung die besten Arbeiten aus. In diesem Jahr stammen acht der Arbeiten von Studierenden aus dem Polizeibereich, sieben aus dem Bereich der Allgemeinen Verwaltung und der Rentenversicherung. „Sie haben mit Ihren Leistungen bewiesen, dass Sie Aufgaben und Themen anpacken, die auch ein bisschen quer sind“, lobt Herbert Reul. So reichte die Themenvielfalt der prämierten Arbeiten von der Kastration bei Sexualverbrechen über forensische Blutspurenanalyse bis hin zur Möglichkeit der Einführung aktiver Sterbehilfe in Deutschland.

 

Andere Studierende haben sich Themen ausgesucht, die die Probleme und Entwicklungen der heutigen Zeit nicht besser widerspiegeln könnten. So beschäftigten sich gleich zwei Preisträgerinnen mit der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bzw. den Zukunftsvorstellungen der Geflüchteten. Auch die Problematik der sogenannten Reichsbürger wurde sowohl aus Polizeisicht als auch aus Sicht der Stadtverwaltung unter die Lupe genommen. „Reichsbürger zielen mit ihren Maschen darauf ab, der Behörde möglichst viel Arbeit zu machen und den Ablauf zu stören“, fasst eine Absolventin zusammen, die für die Stadtverwaltung in Bielefeld arbeitet.

Ehemaliger Fußballprofi forscht zu Sicherheitsgefühl der Fans

Prämiert wurde auch die Arbeit von Dennis Eilhoff. Der ehemalige Fußballprofi (u.a. Arminia Bielefeld und Dynamo Dresden) hat, nachdem er verletzungsbedingt seine Karriere beenden musste, eine Ausbildung bei der Polizei angefangen. In seiner Abschlussarbeit hat er sich mit dem Sicherheitsgefühl der deutschen Fußballfans beschäftigt und dafür die Fans von Arminia Bielefeld und Dynamo Dresden befragt. Eilhoff hat es geschafft, insgesamt 5357 Fragebögen auszuwerten – eine im wissenschaftlichen Bereich außergewöhnliche Stichprobengröße. „Die Fußballfans fühlen sich insgesamt durchaus sicher“, erklärt Eilhoff. „Vor allem je näher sie ans Stadion herankommen, desto sicherer fühlen sie sich. Die Kriminalstatistik der Polizei sagt aber interessanterweise aus, dass im Stadion mehr Straftaten stattfinden, als außerhalb.“

 

„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine solche Arbeit auch Einfluss hat auf die Herangehensweise der Kommunikation der Polizei mit Fußballfans“, sagt Dietmar Zeleny, Leitender Regierungsdirektor der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW. „Häufig fließen diese Abschlussarbeiten tatsächlich in das praktische Handeln in den Verwaltungen oder in der Polizei ein.“